Manchmal ist es eben doch keine Zeitverschwendung, im Fernsehen einen Klassiker einzuschalten, den man schon lange nicht mehr gesehen hat. Eigentlich keine Lust mehr auf flaue Witzchen und vorhersehbare Konversation gehabt und dann doch einfach mal wieder reingeguckt. Nein, ich meine nicht "Wetten, daß...". So schlimm ist es mit meiner Langeweile am Wochenende dann doch noch nicht.
Aber hätten Sie gewusst, dass der Münster-Tatort ein Krimi ist? Ich auch nicht. Von der Apotheken-Umschau (sic!) schon als "erstaunlich ernsthaft" angekündigt, wartete die Klamauk-Combo um Hauptkommissar Thiel und Rechtsmediziner Boerne in ihrem 14. Fall mit einer durchdachten Story (Buch und Regie: Kilian Riedhoff), diffizilen Charakteren (glaubwürdig: Katharina Lorenz), einem fiesen Serientäter (diabolisch: Arnd Klawitter) und Hochspannung bis zum Schluss auf.

Eine richtige Story, ein richtiger Kriminalfilm und richtig viele Pluspunkte. Nur, dass das "Einkaufszentrum" nicht Arkaden heißen durfte (das ist so, als wenn man den Kölner Dom als große Kapelle tituliert) und dass die Staatsanwältin (nach wie vor tolle Stimme: Mechthild Großmann) Thiel nach Abschluss des Falls nicht lobt, sondern weiter disst, störte etwas.
Boerne war mal nicht ganz so penetrant wie üblich und hatte zumindest einen richtig guten Spruch parat, als er Alberich anbot, gerne auf Sie zurückzukommen, wenn er vorhabe, eine Kleinfamilie zu gründen. Schöne Überraschung zur Wolfsstunde im Ersten. Davon bitte mehr.
"Ich ziele nie. Wenn ich nicht weiß, wohin der Ball geht, woher soll es dann der Torwart wissen?"
(Wayne Rooney)
Oh, wie ist das schön, oh, wie ist das schön. So was hat man lange nicht gesehen. So schön, so schön!
Das Schöne an solchen Bundesliga-Samstagen ist ja, dass man ersma bis 15.30 Uhr Angst hat, um dann bis 17.15 Uhr zu hoffen und dann gegen 17.25 Uhr in Ruhe am Boden zerstört sein zu können. Ab 18.30 Uhr vertieft man dann das Gehörte und Gelesene ein erstes Mal und kann dann alles ein wenig sacken lassen. Gegen 22 Uhr geht es nomma in die Aufbereitung und kurz vorm Schlafengehen weiß man es dann ganz genau: Wer gegen direkte Mitbewerber um die Abstiegsplätze nicht punktet, der semmelt früher oder später ab. Da ist es fast egal, ob man zuhause oder auswärts spielt. Bei meiner Borussia sowieso: Wer zuhause gegen Zwietracht Frankfurt vergeigt, der braucht auch in Bielefeld keine allzu großen Hoffnungen zu hegen. Auch wenn mit Michael Frontzeck ein Gladbacher auf der Arminia-Trainerbank sitzt. Wird langsam Zeit, sich ein vernünftiges Hobby zu suchen. Numismatik oder Wandern oder so.
...und noch ganz schnell, bevor in den Büros und Amtsstuben gleich der Griffel fällt: Germanisten von der Uni Bochum wollen die deutsche Sprache entbürokratisieren. Da drücken wir alle mal die Daumen. Und hoffen, dass auch der leider bis in die elektronischen Medien verbreitete grauenhafte (und natürlich definitiv falsche) Pseudo-Genitiv "diesen Jahres" dann endlich mit Stumpf und Stiel ausgerupft wird.
"Die Jugend von heute liebt den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt mehr vor älteren Leuten und diskutiert, wo sie arbeiten sollte. Die Jugend steht nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widerspricht den Eltern und tyrannisiert die Lehrer."
Na, auch immer mal zustimmend genickt und leise "Genau!" gemurmelt? Dann sind wir ja gemeinsam auf der sicheren Seite. Da wähnen sich nämlich die Älteren, wenn es um die Jugend geht, ohnehin immer. Seit Jahrhunderten, vielleicht sogar Jahrtausenden. Die Jugend wird immer dümmer, die Alten wissen es natürlich besser und ziehen sich unrespektiert und allein gelassen auf das gleichnamige Teil zurück.
Seit Anbeginn der Zeit war das so und muss wahrscheinlich auch so sein. Das eingangs erwähnte Zitat stammt nicht von Herrn Bueb und auch nicht aus der Bundesrepublik der 50er Jahre - was ideologisch gesehen eh das Gleiche wäre - sondern von einem gewissen Herrn Sokrates.