Montag, 14. Dezember 2009

Gesund

Was ich mich gerade ob der aktuellen Nachrichtenlage frage, ist, ob man eigentlich automatisch "geistig verwirrt" sein muss, nur weil man Silvio Berlusconi schlagen möchte. Nun gut, ich bin ja jetzt kein richtiger Italiener, aber auch in diesem schönen Land gehen ja zur Zeit extrem viele Menschen auf die Straße, um gegen die skrupellosen Machenschaften des mächtigsten Mannes im Lande zu prostestieren. Das einzige, was man dem Mann, der Berlusconi mit einem kleinen Modell des Mailänder Doms zwei Zähne ausschlug und die Nase brach, wirklich vorwerfen kann, ist aber eigentlich Blasphemie. Zudem wollte der Staatschef Berlusconi auf dieser Wahlveranstaltung ja ein Bad in der Menge nehmen und die Hände seines Volkes schütteln. Und niemand hat behauptet, dass die Hände deshalb alle leer sein müssen. Obwohl das ja bei den meisten ohnehin der Fall ist. Zumindest, wenn man in Italien nicht zu den Reichen, Schönen, Populären und Mächtigen gehört.


Denkt Euch


...ich habe das Christkind gesehen. Musste weit fahren*, so konnt es geschehen. Im Rheingau, da war es, da trug es sich zu. Vom Himmel da kam es und ich guckte zu. Weiß auch nicht, warum und doch ist's passiert: Ich hab's auch noch gar nicht so richtig kapiert. Es war wie beim Fußball, ich hätt's fast versiebt. Doch die Frage ist keine, ich bin wohl verliebt.


Prominente Gäste aus Nürnberg (li.) und Münster
tummelten sich am Samstag im Weihnachtsdorf Eltville.
(Foto: Sigi Konrad)


* Hin und zurück 660 Kilometer. Aber das Christkind musste sogar 700 Kilometer zurücklegen. Aber das kann ja auch fliegen. Hm. Ich glaube, ich finde Weihnachten doch ganz schön.

Singen To Go

Ist ja nicht immer ganz so einfach: Papa fährt und hinten im Auto tobt die Hölle. Da werden die neuesten Charts-Breaker geschmettert und die furchtbaren Casting-Show-Hits hoch und runter gesungen. Nicht immer ganz textsicher und selten werden auch alle Töne getroffen. Reine Nervensache. Da würde man gerne auch mal selbst hinten sitzen, nicht fahren müssen und den Spieß ganz einfach umdrehen. Kein Problem. Zumindest in Münster, wo ein Karaoke-Taxi seine Runden dreht:

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Nikoläuse Revisited

Kleine Erinnerung: Am 23. Dezember, irgendwann zwischen 20 und 21 Uhr spielen Die 3 Nikoläuse, wie an dieser Stelle schon etwa 800mal erwähnt, im Gassi, Alter Steinweg. Wer scharf auf einen Sitzplatz ist, der sollte gegen 17 Uhr da sein. Aber auch das habe ich schon mal gesagt, oder?! Hm. Habt Ihr dies eigentlich schomma gesehen:

Dienstag, 8. Dezember 2009

Ein Foto sagt mehr als 1000 Noten

Er gehörte zu den ganz großen Verrückten der Musikgeschichte. Jeder, der den Film sah und jeder, der die Biographie las, weiß, welchen Lebensweg dieser Outlaw des Country & Western mit seiner Gitarre im Anschlag stets beschritten hat. Und welche Irrungen und Wirrungen schon längst hinter ihm lagen, als er, der früher im Background für Elvis sang, in seiner Spätphase schließlich auf einen Mann mit grau-weißem Rauschebart traf. Und damit auf jenen Produzentengott in Menschengestalt (oder war es umgekehrt?), der seinen Ruf als wahrlich großer Musiker, Interpret und Songschreiber endlich ins rechte Licht rücken sollte.

(Foto des Buchcovers gefunden auf
und verlinkt mit: gq-magazin.de/)
 
Johnny Cash und Rick Rubin trafen sich an einer dieser entscheidenden Kreuzungen des Lebens, an denen jeder Fahrfehler unweigerlich in die musikalische 30er-Zone führt - oder direkt durch den Jägerzaun ins Wohnzimmer einer achtköpfigen Familie. Johnny Cash hatte zu diesem Zeitpunkt, Mitte der 90er Jahre, seinen Zenit als Künstler längst deutlich überschritten, als ihm Rick Rubin vorschlug, ganz neue, ganz andere Platten aufzunehmen, auf denen - ganz puristisch und für einen Showman wie Cash eigentlich undenkbar - nur ein Mann und seine Gitarre drauf sein sollten. Keine Band, kein Background, keine Effekte. Nur Musik und Stimme.

Und da Rick Rubin nun mal Rick Rubin ist, gehörte das perfekte Cover-Artwork zu dem Gesamtkunstwerk Cash, das ihm damals schon vorschwebte, irgendwie untrennbar dazu. Nicht zuletzt deshalb addierte der Meister des "weniger-ist-mehr" durch reine Reduktion ein in der Summe ganz großes Artwork aus dem Nichts, in das Johnny Cash damals längst gestürzt war. Schlichte, nüchterne Schwarz-Weiß-Cover. Nur mit dem Porträt des einstmals schillernden Helden des Country-Rocks. Der früher nicht genug von der Glitzerwelt des Show-Biz bekommen konnte und der die grellen Lichter der Bühne mindestens genauso liebte, wie Elvis seine ebenso bunten, kleinen Helfer. Der Mann, der auf diesen Fotos von Andy Earl zu sehen war, mochte diese rohen, grobkörnigen Aufnahmen nicht. Er sehe darauf nicht vorteilhaft aus, sondern alt, sagte er damals.

Da hatte Johnny Cash sogar recht: Er war längst über 60, als er den Fotografen, der bis dahin schon Cashs Kollegen wie Mick Jagger und Madonna porträtiert hatte, erstmals während seiner großen Australien-Tour traf. Andy Earl machte einfach seine Bilder. Viele Bilder. Beeindruckende Bilder. Mehr noch: großartige Charakter-Studien. Die Johnny Cash allesamt nicht leiden konnte. Weil man ihn leiden sah. Man sehe jede Falte, er sähe nicht sexy aus, sondern krank. Und das war er wohl auch. Auch wenn er es damals vermutlich noch gar nicht wissen konnte. 


Und Andy Earl fotografierte einfach weiter. Mit derselben Blende und demselben Objektiv, mit demselben Film in derselben Kamera. Und setzte sich mit Rick Rubin schließlich auch noch gemeinsam durch, als es um die Covergestaltung des ersten von insgesamt fünf American-Recordings-Alben ging. Ein Mann und seine Gitarre, in schwarz-weiß. Es folgten vier weitere Alben, auf denen der Reifeprozess von Cash dann so eindrucksvoll gezeigt wurde - leider auch der seiner Krankheit.

Andy Earl sagt heute zu dieser, sagen wir mal, eher schleppend angelaufenen Zusammenarbeit mit Johnny Cash: »Ich habe im Laufe meiner Karriere schon viele der größten Künstler aus dem Rockbusiness fotografiert, aber nur wenige Bilder hatten eine so große Wirkung wie diese. Es sind zeitlose Porträts (...). Ich bin sehr stolz auf diese Aufnahmen.« Dass er das zweifelsohne sein darf, bestätigte schließlich auch die Einladung Cashs, die den Fotografen auf dessen Farm in Nashville führte, wo er dann die letzten Aufnahmen aus der "Recordings"-Reihe aufnehmen sollte.

Dabei gestand ihm Cash, dass er die Fotos lange nicht gemocht habe, weil sie so schonungslos und ehrlich gewesen seien. Und dass er sie jetzt, mit dem Abstand von zwei Jahren, genau deshalb so möge. Und er ließ sich von Andy Earl fortan gerne fotografieren. In seinem Zuhause, auf seinem Land, im normalen Alltag. Diese zum Teil noch unveröffentlichten Fotos sind jetzt - zusammen mit den Arbeiten für die American-Recordings-Cover - in einem wunderbaren Bildband erschienen, der jedem Fan das Herz aufgehen lässt. Und jedem Freund guter Fotographie gleich mit. Der hochwertige Bildband heißt überraschenderweise "JOHNNY CASH - FOTOGRAFIEN VON ANDY EARL" und ist im Schwarzkopf & Schwarzkopf-Verlag erschienen. Es enthält 100 Fotos auf 152 Seiten, kostet knapp 50 Euro, ist aber jeden Cent wert. 

Die zwei Türme

Die Frage des Pförtners war kurz und eindeutig: "Ost oder West?". Wollte spontan und aus dem Bauch heraus natürlich sofort "West!" antworten. Wenn ich die Wahl hätte, würde ich selbstredend immer sofort "West" statt "Ost" sagen. Das war übrigens schon vor J.R.R. Tolkien und auch vor 1989 so. So.

Die zwei Türme stehen gar nicht in Mittelerde, sondern in Münster.

(Foto gefunden auf und verlinkt mit: uni-muenster.de/)

Abba man hat ja im Leben leider nicht immer die Wahl. Schomma gar nicht, wenn man dort sein muss, weil irgendwelche Ärzte das so verordnen. Abba ich hatte Glück, mehrfach. Kam mir vor wie Frodo: Ich wusste zwar nicht, wo genau mein Ziel liegt, weil ich schließlich zum ersten Mal zu den zwei Türmen kam (muss man auch erstmal schaffen, in 24 Jahren vor Ort), abba mein Ziel war wirklich der West-Turm, wo ich einen kranken Kumpel besuchen durfte. Soviel zu meinem Befinden. Mein Kumpel hatte bis jetzt auch Glück, sagt man. Sonst wäre er ja schon in gar keinem Turm mehr. Aber diese Wendung sparen wir uns hier an dieser Stelle jetzt mal. Okay? Okay.

Dauert übrigens etwas länger, bis man dann mal im Krankenzimmer steht. Hatte mir mein Kumpel am Telefon vorher schon gesagt, dass ich mich vermummen müsse. Komisch, dachte ich noch, das war früher verboten. Abba das ist eine ganz andere Geschichte. Abba vor der Vermummung steht ersma die Desinfektion. Nicht des ganzen Körpers (hatte auch gerade schon geduscht), abba der Hände und zwar nach Vorschrift. Sind acht Schritte und man muss aufpassen, dass bis dahin die blaue Suppe auf den Händen nicht längst verdampft ist. Ich wasche also meine Hände zur Abwechslung mal nicht in Unschuld, sondern in blauer Desinfektions-Lösung. Dann rein ins Rondell, wo mich zwei blutjunge Krankenschwestern erwarten. Mehr oder weniger. Denn die hatten alle Hände voll zu tun.

(Foto
gefunden
auf
und
verlinkt
mit:
 
medchrom.com/)
Ich frage also, wie ich mich denn vermummen solle und vor allem womit, denn außer einer handelsüblichen Kapuze hatte ich nix bei mir. Eine der patenten Einsatzkräfteholt mir also einen hellblauen Kittel, den ich dann auch überstreife. War doof zu knöpfen, von links nach rechts - und ich dachte noch, gut, ist halt so, müssen Frauen ja immer schaffen, das wird schon gehen. War gerade mühsam fertig, da guckt mich die eine Schwester an und muss lachen. Ich dachte, ja schon klar, das sieht lustig aus, so ein Kugelblitz in hellblau - abba eigentlich müsste mir die Farbe ganz gut stehen.


Ich sage: "Lustig, woll?!" Und sie sagt, "Ja. Sehr." Und: "Die werden hinten geknöpft und nicht vorne." Na, toll. Wer soll das denn wissen, bei seinem Debüt? Egal. Ich widder raus aus dem Leibchen, und umgekehrt rein. Das will man ja eigentlich gar nicht, in so ne Jacke rein, die hinten zugemacht wird. Abba wenigstens hatten die Ärmel keine Überlänge. Und wurden hinten auch nicht noch extra fremdverschnürt. Dann noch einen Mundschutz, den ich selbstredend im ersten Versuch auch noch falsch rum (mit dem Metallbügel für den Nasenrücken nach unten) aufsetzte. Lustig, woll? Naja, die Schwestern hatten jedenfalls ihren Spaß. Und ich verlor meine Befangenheit. Win-Win-Situation nennt man das wohl.


(Foto gefunden auf und verlinkt mit: gastro-zacher.com/)

Abba dann fühlte ich mich zwar äußerlich gewappnet, abba war es dann innerlich natürlich doch nicht, als ich erstmals vor dieser Tür stand. Habe etwas gebraucht, bis ich widder wusste, dass man zuerst anklopft, bevor man die Klinke runterdrückt. Fiel mir dann abba doch noch ein. Manche Dinge sind halt wie Schwimmen und Radfahren. Gut so. Ich klopfe also und höre eine mir wohlbekannte Stimme, "Herein!" rufen. Alte Schule, dachte ich und drückte die Klinke.

(Fortsetzung folgt. Vielleicht.)

Montag, 7. Dezember 2009

Frisch verliebt XXIX

Manchmal habe ich echt das Gefühl, dass ich nie älter werde als 7, nur noch wachse. Wenn schon nicht nach oben, dann halt zur Seite. Na gut, zu beiden Seiten gleichermaßen. Aber wer möchte die Woche schon so hüftzentriert einläuten? Eben. Mein neuer Schwarm ist jedenfalls schokobraun, 7 Tage alt und müsste einen Namen haben, der mit A anfängt. Anna? Annabel? Annamaria? Arabella? Abra? Adia? Adina? Aida? Aiyana? Alba? Albuin? Alea? Ala? Aliya? Altje? Anila? Annick? Annukka? Arietta? Arik? Asta? Ava? Himmel! Wie schwer ist das denn?


...das sind die Vorfahren des kleinen Mädchens mit "A".
(Foto gefunden auf: bp-hundewelt.de/)