Montag, 26. Dezember 2011

Unbekannte Orte entdecken XXIII

Neulich beim Jungs-Konzert der
Die Ärzte in der Dortmunder
Westfalenhalle. War leider das
Beste an dem Konzert.

(Handy-Fotto: Thomas Ottensmann)

Sonntag, 25. Dezember 2011

Schöne Weihnachtsfilme IX

Das mitunter Beste am Fest der Feste, das auch in diesem, nun ja, recht überflüssigen Jahr, feste gefeiert wird, ist ja bekanntlich das allzu üppige Fernsehprogramm. Seltsamerweise fehlt dieses Highlight.

Freitag, 23. Dezember 2011

Philosophen am Aschenbecher VII

(Bild gefunden auf und verlinkt mit:
upload.wikimedia.org/)
"Der Versuch, sich selbst und den anderen Menschen treu zu bleiben, ist alle Anstrengungen wert." 
(Helmut Schmidt, *23.12.1918, Alt-Kanzler, Kettenraucher und Gewissen der Nation.)

Mittwoch, 21. Dezember 2011

Neulich auf Teneriffa

Notizbucheintrag von Thomas Ottensmann
vom 1. Februar 2011

"Tag 1. Teneriffa gilt als Insel der Geckos und Eidechsen. Deswegen mutete es durchaus seltsam an, als es am ersten Tag auf dieser mit Abstand größten kanarischen Insel kleine Eichhörnchen regnete. Es sei der regenreichste Tag der letzten 400 Tage, sagte man uns. Wir fühlten uns augenblicklich geehrt. Sehr.

Der Abend des regenreichsten Tages
seit 400 Tagen auf Teneriffa.
(Foto: Thomas Ottensmann)
Eine Wanderung auf den höchsten Berg Spaniens, den Teide, wurde abgesagt ("Zu gefährlich!"), ein Grillabend im Freien ebenso, wegen der starken Sturmböen. Wir bewegten uns mit unseren regenfesten Outdoorjacken von einer Überdachung zur nächsten. Bei der Stadtrundfahrt ("Links sehen Sie eine der schönsten Straßen der historischen Altstadt von La Laguna.") waren die Scheiben des Busses so beschlagen, dass wir keine Straße, kein Links, kein Haus, keine Altstadt und keine Lagune sahen.

Dem Busfahrer musste man derweil sagen, er solle die Heizung auf den roten Pfeil und auf volle Leistung stellen, statt auf den blauen Pfeil und auf 1. Wir fragten uns, was er eigentlich beruflich macht. Ich fror. Im Bus. Auf der Insel des ewigen Sommers. Und ich friere nicht leicht. Draußen waren es 15 Grad Celsius. Drinnen deutlich weniger. Es goss wie aus Kübeln. ("Rechts! Schauen Sie mal. Der Wasserfall aus den Bergen. Das ist hier sehr selten.") Wir sahen: nichts.

 
Jemand wischte mit dem Ärmel die beschlagene Scheibe sauber. Wir fühlten uns geehrt. Wasser aus einem Berg. Sehr selten. Aber wir wussten ja, wie Regen aussieht. Vorne brüllte jemand auf Spanisch den Busfahrer an, er sei Deutscher, er wisse sehr wohl, wie man in einem Auto ohne beschlagene Scheiben fahren könne und er solle einfach nur tun, was man ihm sagt.

Der Busfahrer war beleidigt. Machte nichts mehr. Schon mal gar nicht, was ihm ein Ausländer sagt. 
Mittlerweile hatte ich alles angezogen, was für die Bergwanderung auf den Teide gottseidank noch im Rucksack war. Zweites T-Shirt. Fleecepulli, Kapuzenpulli, Piraten-Halstuch, Mütze. Ich fror. Von innen. Andere auch.

Wir sahen verkleidet aus. Wie eine Pol-Mission. Wir wollten wissen, wo wir waren und warum - und vor allem, wie lange es wohl noch bis zum Hotel sei, in dem es ein türkisches Dampfbad gab. Doch wir konnten nichts erkennen. Keine Straßenschilder, keine Kilometerangaben. Die Scheiben waren beschlagen."

Dienstag, 20. Dezember 2011

Philosophen des Alltags XXIX

"Wenn man in die mittleren Jahre kommt, kennt man alle Antworten, doch nur höchstselten stellt einem jemand die entsprechenden Fragen." 

(Henry Dunant, Schweizer Unternehmer und Humanist. Unternehmer UND Humanist? Ja, das geht.)  

Mittwoch, 14. Dezember 2011

Ich will Tannenzweige essen

Herr Berges hat Hunger und Frau Eggert meint: "Mir ist Weihnachten entfallen". Frohes Fest beizeiten.

Montag, 12. Dezember 2011

Philosophen an der Feder X


Bild gefunden auf
und verlinkt mit:
upload.wikimedia.org/
"Winter ist die Zeit, in der es zu kalt ist, um das zu tun, wozu es im Sommer zu heiß war."


(frei nach
Mark Twain, * 30. November 1835, † 21. April 1910)

Sonntag, 11. Dezember 2011

Mal richtig Rabitz machen

Bochum, Ostring: Hier gips ab
und zu sogar Rabatz.
(Handy-Fotto: Thomas Ottensmann)
Zugegeben, ich könnte jetzt auch nicht aus dem Stegreif fehlerfrei erklären, was genau Stuck und was genau Putz ist, woraus er jeweils besteht und wo genau der Unterschied liegt. Aber wenden wir uns lieber der dritten Produkt-, oder genauer, Dienstleistungs-Gruppe zu. Wer oder was ist Rabitz? Klingt wie ein sehr alter Literaturkritiker (Hans-Hinrich Rabitz!) oder ein  Stummfilmregisseur (Fritz Rabitz!). Wird aber wahrscheinlich doch nur wieder ein Sand-Mörtel-Mix für Schlagmichtot sein. 

Jetzt weiß ich natürlich auch gar nicht so genau, wie viele von hundert Menschen das im Gegensatz zu mir aus dem Stegreif (da ist es wieder dieses schöne deutsche Wort, das von Steigbügel abgeleitet ist) wüssten. Vielleicht sechs oder sieben? Und wenn das vielleicht neben mir auch so viele andere gar nie nicht wissen, wie groß ist dann eigentlich die Wahrscheinlichkeit, dass diese sechs oder sieben Menschen diesen T2 irgendwo rumfahren oder -stehen sehen und dass sie gerade in diesem Moment denken: "Möönsch, ich muss ja noch unbedingt meinen Rabitz unterputzen (verlegen/versiegeln/kanonisieren) lassen. Da ruf ich jetzt aber endlich beim Fachmann an und mache sofort einen Termin aus!". 

Hab ich mir zumindest so gedacht. Aber vielleicht läuft das alles auch blendend und die Klebefolie hat sich längst amortisiert? Und der T2 ist seit 1998 abgeschrieben? Bestimmt. Ich hoffe doch, denn es gibt ja ohnehin viel zu wenig Fachleute auf der Welt. Und wenn ich mal so richtig Rabitz* machen möchte, weiß ich zumindest, wo der Bulli steht - und wen ich dann anrufen kann.

(*Rabitz ist laut Duden übrigens eine Gipswand mit Drahtnetzeinlage, die nach ihrem Erfinder so heißt, wie sie heißt.)

Freitag, 9. Dezember 2011

Die Lust des Tormanns beim Elfmeter

Andreas Luthe hat keine Chance. Und nutzt sie. Immer wieder. "Ein Fußball-Profi muss einen Elfmeter reinmachen, eigentlich immer", sagt er, "oder zumindest in 95 Prozent der Fälle. Das erwarte ich." Jetzt ist Andreas Luthe zwar Fußball-Profi, aber er hat noch nie einen Elfmeter verwandelt. Denn er steht auf der anderen Seite, auf der Linie, im Tor des Zweitligisten VfL Bochum. Und dort macht er dann deutlich seltener einen Fehler als der Spieler, der zum Elfmeterpunkt schreitet.

Andreas Luthe , 24-jähriger Keeper
des VfL Bochum ist der mit Abstand
beste deutsche Elfmetertöter der
Gegenwart. Sechs der letzten acht
Strafstöße hielt der 24-Jährige.
(Foto: Thomas Ottensmann)
Sechs der letzten acht gegen Bochum verhängten Strafstöße hielt der aus Velbert vor zehn Jahren zum VfL gewechselte 1Meter94 große Mann. Eine Quote von 75 Prozent. Der helle Wahnsinn. Das schafften nicht einmal Rudi Kargus, Jörg Butt oder Andy Köpke, die in Deutschland immer noch als 'Elfmetertöter' par excellence gelten. 


"Wenn der Luthe im Tor steht, treten wir gar nicht mehr zum Elfmeter an", hat letztens ein Offizieller von Alemannia Aachen gesagt. Und der muss es wissen. Aachen bekam in drei Spielen gegen Bochum drei Strafstöße zugesprochen, dreimal ging der Ball nicht rein, zweimal hielt Luthe seinen VfL im Spiel, einmal die Latte. Bochum gewann beide Spiele.


Glaubt man dem Schriftsteller Peter Handke, dann hat der Tormann beim Elfmeter Angst. Wissenschaftliche Studien belegen genau das Gegenteil. Warum sollte er auch? Genau genommen ist dieses einseitige Duell für den Keeper ja aussichtlos. Denn das Tor - jeder, der mal drin stand, weiß das - ist riesig: 2Meter44 hoch und 7Meter32 breit, im Mutterland des Fußballs - daher das im metrischen System so krumme Maß - waren das in den Anfängen 8 x 24 Fuß. Und dann kommt da einer aus elf Metern frei zum Schuss und kann sich die Ecke aussuchen. Klingt einfach. Und für den Torwart aussichtslos. Keine Chance. Er weiß ja nicht, wohin der Ball kommt.


Um es mit Wayne Rooney zu sagen: "Ich ziele nie. Denn wenn ich nicht weiß, wohin ich schieße, woher soll es dann der Torwart wissen?" Gute Frage. Die auch dem laut Kicker-Rangliste besten deutschen Torwart der 2. Liga (Notendurchschnitt 2,68) recht gut gefällt: "Geiler Spruch." Und: "Er hat recht." 

Soweit so gut, aber warum hält Andreas Luthe dann diese Elfmeter so oft und so gerne? Er behauptet in Interviews ja nicht selten, dass da auch viel Glück dabei sei. Wirkt aber  in der Realität, die bekanntlich auf dem Rasen liegt, nicht so. Cool, konzentriert und abgezockt, so steht Andreas Luthe vor dem Strafstoß auf seiner Linie. Sehr lange steht er dort, lässt den Spieler zappeln, bietet ihm keine Ecke an, macht keine Faxen. Der Keeper konzentriert, der Spieler konsterniert. So war es zuletzt sehr oft. 

In der 2. Liga hat bislang nur ein Spieler einen Strafstoß gegen den VfL Bochum, also gegen Luthe, versenkt. Silvio von Union Berlin heißt der Glückspilz. Alle anderen verschossen. Verdienst des Torwarts? Andreas Luthe, bescheiden, höflich und aufgeräumt, winkt ab: "Wenn einer einen Elfmeter nicht verwandelt, dann hat er einen Fehler gemacht." So einfach ist das.

(In Kürze i
m Exklusiv-Interview für Blog7Andreas Luthe über den ominösen Punkt, seine Liebe zur italienischen Sprache und warum er einst so gern in der Geschäftsstelle des VfL Bochum in der IT-Abteilung gearbeitet hat.)


[Text und Foto von Thomas Ottensmann (c)]

Donnerstag, 8. Dezember 2011

Alles Fohlen, außer Rettig

So. Schlussspurt. Am vorletzten Hinrunden-Spieltag der Fußball-Bundesliga, dem sechzehnten, geht es vornehmlich um die interessante Frage, wer diesen wertlosesten Titel der Fußball-Geschichte in die nicht vorhandene Vitrine stellen darf. Der Herbst ist jetzt zwar nach dem wunderschönen Spätsommer-Monat Oktember im Dezober wirklich und endlich auch in den deutschen Fußball-Stadien und Arenen angekommen, nichtdestoweniger ist der Titel Herbstmeister 2011 aber a) Unfug b) faktisch falsch  oder c) meteorologisch 
Bochum, Brückstraße,
am Tag nach der
verlorenen Relegation
gegen Gladbach.
(Handy-Fotto:
Thomas Ottensmann)
richtig (bitte ankreuzen, jeder bitte nur ein Kreuz).

Ihr Haarband in den Ring werfen die Sportkameraden der Turnriegen aus München, Dortmund, Mönchengladbach, Gelsenkirchen und Bremen. Ziehen wir die beiden letztgenannten Außenseiter mal wieder ab, wird es eine Rechnung mit wenigen Unbekannten.

Die Bayern haben einen Punkt Vorsprung auf den Deutschen Meister (nur der BVB!) und der wiederum reüssiert gerade mal sechs Tore vor der wahren Borussia aus Mönchengladbach, der die halbe Republik den wertlosesten Titel der Fußball-Geschichte zu gönnen scheint. Und wer sich auf einmal alles als Gladbach-Fan outet! Interessant. Aber wo waren die eigentlich alle im Abstiegskampf vor ein paar Monaten? Egal. Oder wie wir Zahlenfetischisten sagen: 88.

Wie stehen die Chancen? Und was machen eigentlich die anderen Mannschaften so? Der TdK-Check des 16. Bundesliga-Spieltages, wie immer mit allen Ergebnissen auf einen Klick.

Freitagabend, 20.30 Uhr: Hertha BSC – FC Schalke 04 2:1 (2:0) –
Das Thema Meisterschaft ist ja ohnehin keins, mit dem sich die Knappen in den letzten 53 Jahren besonders hart auseinandersetzen mussten. Die 240 Sekunden im Jahr 2001 mal ausgenommen. Warum also jetzt auf einmal die Herbstmeisterschaft holen? Brächte die Mannschaft doch nur auf dumme Gedanken. Einmal angefixt, müsste sich der S04 dann in der Rückrunde hetzen lassen. Das mag ja keiner so richtig. Zumal die Herbstmeisterschaft ohnehin nur noch erreichbar scheint, wenn alle anderen immer schön parallel verlieren, am besten zweimal. Mit der schlappen Schlappe in der Hauptstadt holen die Königsblauen aber einfach mal die Europapokalform in die Liga. Warum nicht? Und Hertha? Ach, Hertha. Gewinnt einfach mal zu Hause. Spricht ja auch nix dagegen.

Samstag, FünfzehnDreißig: FC Augsburg – VfL Borussia Mönchengladbach 1:4 (1:1) –
Wenn die Fohlen beim Aufsteiger im schwäbischen Bayern (oder war es das bayrische Schwaben?) antreten, dann spielt die Erste bei der Reserve. Oder so. 47 Spieler, 12 Cheftrainer, 8 Co-Trainer und 33 Betreuer der Augsburger waren mal in Gladbach beschäftigt - nach einem Bauchgefühl über den Daumen gepeilt, mutig geschätzt und mit der Kreiszahl Pi mutlipliziert. Also alles Ex-Gladbacher. Außer Manager Rettig, der war mal in Köln. Was tut das jetzt zur Sache? Tja, irgendwie nix. Außer, dass alle ausgemusterten Ausgemusterten dem ehemaligen Ex-Verein mal so richtig zeigen wollen, was ne schwäbische Harke ist. Oder ne bayrische. Dumm nur, dass sich dabei zeigt, dass das Niveau der zahlreichen Ndjengs, Callsen-Brackers (nein, das ist nur ein Spieler) und Rafaels wirklich nur für das untere Drittel der besten 20 Profi-Clubs reicht. Deswegen haben sie ja früher auch mal in Gladbach gekickt. Und nun? Die Fohlen galoppieren weiter Richtung Ziel. Und Augsburgs niederländischer Trainer Luhukay lobhudelt hernach wieder devot über des Gegners Leistung. Das war ja zuletzt sogar seinem Landsmann Huub Stevens unangenehml, als sich seine Mannschaft gerade zu einem unansehnlichen 3:1 gerumpelt hatte. Gladbach reicht hier eine gute Halbzeit. Schön, dass es die zweite ist.

Sonntag, 15.30 Uhr: BV Borussia Dortmund 09 – 1. FC Kaiserslautern 4:0 (3:0) –
Muss man dazu noch was sagen? Hm. Nö. Der Deutsche Meister (nur der BVB!) stümperte sich sehr konsequent und diszipliniert durch den Europapokal der Großen, verbaselte letztendlich sogar die Teilnahme an der kleinen Gelddruckliga in der Rückrunde. Das muss den Bayern und Gladbach zu denken geben. Jetzt kann Dortmund - befreit von allen Fesseln und längst aus dem DFB-Pokal raus – wieder mit Volldampf durch die Liga fegen wie einst im Mai. Erstes Tsunami-Opfer: die weinroten Teufel, die ja in Liga 1 eigentlich nur froh sind, dass sie leben. Prognose: Es wird weitere Opfer geben.

Sonst noch? Ja, gerne.

Samstag, FünfzehnDreißig:
Werder – VW 5:1 (4:0)
Mainz – HSV 2:2 (0:2)
Nürnberg – 1899 2:0 (2:0)
Köln – Freiburg 3:1 (0:1)

Topspiel am Samstagabend, 18.30 Uhr:
Hannover - Leverkusen 1:1 (0:0)

Spieltags-Schlussspiel, Sonntag, 17.30 Uhr:
Stuttgart – Bayern München 1:5 (1:4)

Die Herbstmeisterschaft wird nach den Siegen der glorreichen Drei also erst am 17. Spieltag entschieden, wie sich das für so eine handelsübliche Herbstmeisterschaft gehört.

Dienstag, 6. Dezember 2011

Bärchen, komm in unser Haus

Früher war ja nicht nur alles besser, sondern auch alles anders. Da glaubte man an den Coca-Cola-Vertreter und stellte seinen Stiefel raus. Darin fanden sich dann mit Glück Schokoladen, die man mochte, ein paar Nüsse und rundes Obst. Heute bekommen die Kinder zu Nikolaus (vgl. auch Ostern oder 'Nebengeburtstage') Geschenke und eventuell Lindt-Bärchen. Ob knallharter Atheismus oder anderer Extremismus dahinter steckt, ist nicht bekannt. Aber warum gerade Bärchen? Man weiß es nicht.
Einen schönen Nikolaus
habe ich da gefunden.
(Handy-Fotto:
Thomas Ottensmann)


Sonntag, 4. Dezember 2011

Wer nicht fragt, bleibt dumm

Nach dem 15. Spieltag der Fußball-Bundesliga stellt sich die Republik mal wieder Fragen. Sind die Bayern, gähn, noch zu stoppen? Sollte Felix Magath nie wieder mit seinen Spielern sprechen? Kann Borussia Mönchengladbach 
Oh, wie schön ist Sansibar!
(Foto: Thomas Ottensmann)
Herbstmeister werden? Die Antwort ist einfach, fängt mit 'J' an und hört mit 'a' auf.


Andererseits gibt es Fragen, die sich gar nicht erst stellen. Wie, sagen wir mal, ob der 1. FC Köln auch ohne Lukas Podolski bundesligatauglich wäre. Oder Schalke 04 ohne Huntelaar und Raul. Erfeulich hingegen, wenn internationale Fußballlehrer nationale Fußballschüler mit extrinsischer Motivation geradezu einreiben (Stole Solbakken: "Lukas hat seine Arbeit gemacht.")


Für Aufregung sorgte der in Mönchengladbach nicht gegebene Feldverweis gegen den Klopp des Gemetzels nach einer Tätlichkeit gegen den Fohlen-Torschützen Mike Hanke ("Absolut eine Rote Karte."). Hier werden die Fernsehbilder eine deutliche Sprache sprechen oder die Slo-Mo, wie wir Medienmenschen sagen. 


Bayerns Verteidiger Badstuber, Holger blieb hingegen bei seiner Muttersprache und im restringierten Sprachcode: "Man hat Zeitlupen und dann sieht man, was passiert ist." Werder-Stürmer Claudio Lasagno war bei der Attacke auf die oberen Brustwirbel von Badstuber bestens im Bild. In HD. Aber, Tatsache, es wird keine Sperre gegen den eigentlich bis zur Schmerzgrenze sympathischen Peruaner geben. Denn der Schiri hatte die Szene zwar aber gesehen, als harmlos empfunden und weiterspielen lassen. Vielleicht noch eine Frage: Wann hätte er denn gepfiffen? Wenn die Rippe mit lauten Kraaack (an dieser Stelle ein Gruß an die Spezialisten von CarGlass) geborsten wäre?


Aber es war ja ohnehin ein Spieltag mit ganz eigener Dynamik. Sogar mit recht eigenwilliger Aerodynamik: "In der Luft war es heute schwierig", analysierte Hertha-Abwehrspieler Roman Hubnik nach seiner Nominierung für die Eselei des Monats messerscharf. So einen Flugkopfball muss man als Defensiver auch erst mal versenken. Für Fußball-Ästheten eher zweitrangig ist dabei die Frage, ob es das richtige Tor war. Apropos: Was ist eigentlich so ein richtiges Tor? Und wo steht dann das Falsche? Fragen über Fragen, die wir hier an dieser Stelle ohne Rahmeneckgelenk-Sprengung definitiv nicht klären können. Dafür gibt es schließlich den 16. Spieltag.

Donnerstag, 1. Dezember 2011

Allüberall Spitzenspiele

Am 15. Spieltag der Fußball-Bundesliga haben die Macher des Bezahlfernsehens in Deutschland wieder ganze Arbeit geleistet. Was für eine Spielansetzung! Allüberall Spitzenspiele, auf allen Sendeplätzen - und die beiden Topspiele am Freitag- und Samstagabend sind ebenso hochkarätig besetzt wie die zwei Live-Spiele am Sonntag. Die Konferenz am Samstagnachmittag zur unbeliebten Retro-Anstoßzeit um 15.30 Uhr können wir also getrost ignorieren.

Unter Flutlicht eröffnen die beiden Spitzenteams aus den Metropolen Leverkusen und Hoffenheim den Spieltag unter Flutlicht. Ein rauschendes Fußballfest am Rhein, wenn die beiden Werksmannschaften der Bayer-Werke und SAP zum Duell der Giganten antreten. Auch die Fanclubs der beiden bundesweit beliebten Teams werden wieder mit einer schönen Choreographie und Konfetti aus der Stadionzeitung überraschen. Fahnen werden da sein und Megaphone - und wer weiß, vielleicht sogar eine große Pauke. Der Sechste gegen den Neunten, Leverkusen hat nur vier Punkte Vorsprung auf 1899. Da geht was. Hoffenheim will unbedingt in den Europäischen Wettbewerb, national hat man ja schon alle Titel gewonnen, hier müssen neue Reize gesetzt werden. Ähnlich geht es Bayer 04, dem x-fachen Titel- und Pokalgewinner. Die Frage sei erlaubt: Ist der TSV etwa satt? Robin Dutt, der Meistertrainer aus dem Sherwood Forrest, ist gefragt. Aber Holger Stanislawski wäre ja nicht der "Stani" würde er nicht behände antizipieren und einen eigenen Matchplan aus dem nicht vorhandenen Hut zaubern. Prickelnd! Bayer 04 - 1899 0:0


Vorfreude schon jetzt auf dem Samstagabend, wenn der VfB Stuttgart und der 1.FC Köln in der Mercedes-Benz-Arena aufeinander treffen. HimmeldieBerge, was für ein brisantes Duell! Der VfB kam beim 0:2 in Bremen etwas vom schon heute legendären Stuttgarter Weg ab, doch Bruno Labbadia wäre ja nicht Bruno Labbadia, wenn er nicht auf den Schlendrian in seiner Elf mit högschder Dischziplin in der täglichen Trainingsarbeit reagiert hätte. Nicht viel besser erging es den Kölnern, die sich bei der 0:3-Heimniederlage gegen Gladbach irgendwie nutzlos und überflüssig vorkamen. Doch die Freude ist nun groß, in dieser Hinserie muss man nicht mehr gegen die Fohlen ran und kann folglich befreit aufspielen. VfB - Kölle 1:2


Manchmal ist es ja durchaus so, dass man am Sonntag die Spiele gar nicht mehr verfolgt und sich dann in der Tagesschau informiert oder in den Dritten. Oder montags in der Zeitung. Das wird diesmal ganz anders sein. Gastwirte, richtet euch auf Full House ein, lasst die Köche schon um 15 Uhr kommen. Hier kann in den zahlreichen Sportbars richtig Umsatz gemacht werden. Am Sonntag um 15.30 Uhr trifft der ruhmreiche Altmeister Hamburger SV (Gründungsmitglied der Bundesliga! Der Dino! Noch nie abgestiegen! Mit einem kloppähnlichen Trainer!) auf den ruhmreichen Altmeister 1.FC Nürnberg (Die Clubberer! Der Club! Früher mal Meister!). Prall der Giganten. Platz 14 gegen Platz 15, nur einen Zähler voneinander entfernt. Wer den Absturz in die Problemzone ab Platz 16 vermeiden will, sollte dreifach punkten. Dumm nur, dass das nicht zu den Spezialitäten dieser beiden Teams gehört. Beide haben von 14 Spiele gerade mal drei gewonnen. Jetzt aber! HSV - Nürnberg 1:1


Den Spieltag beschließt am zweiten Advent der ruhmreiche Altmeister FC Schalke 04 (Die Knappen! Die Königsblauen! Die Macht im Revier!), wenn er den Ex-Klub des ruhmreichen Altinternationalen Helmut Haller, den bärenstarken Aufsteiger FC Augsburg in der Gelsenkirchener Turnhalle empfängt. Schalke enttäuschte zuletzt im relativ unwichtigen Auswärtsspiel in Dortmund. Augsburg hingegen feierte einen Sieg mit zwei Toren Unterschied. Zu Null. Hochspannung garantiert. Ist wie im richtigen Leben, das Beste kommt halt am Schluss. Schalke - Augsburg 1:0
















PS: Der Vollständigkeit halber erwähnt sei, dass am Samstag noch folgende Spiele zur Austragung gelangen: 


Borussia Mönchengladbach - BVB 2:1
Wolfsburg - Mainz 1:3
Freiburg - Hannover 0:1
Bayern - Bremen 4:2
Kaiserslautern - Hertha 1:2

Sonntag, 27. November 2011

Ich bin zwei Borussias

(hai) Erstaunlich. Es gibt ja bekanntlich nur eine Borussia, aber nun führen beide die Tabelle der Fußball-Bundesliga an. Gladbach nach dem zur Abwechslung mal begeisternden 3:0 (gefühlt 5:0) in Köln und Dortmund nach dem genauso souveränen 2:0 (gefühlt 4:0) gegen Schalke. Derbysieger an der Spitze, dahinter schmollt der Tabellendritte FC Bayern (gefühlter Meister mit zehn Punkten Vorsprung auf den Rest der Welt und seit den Vorbereitungsspielen vorzeitig zum abermaligen Meister erklärt. Mir san mir auf drei, wobei sich vier dich viel besser greimt hätte? Hm. Kann passieren, wenn man in Mainz mit einer 0:1-Klatsche untergeht.

Sonst noch? Hm, ja. In den anderen sechs Spielen gab es 13 Tore und nur zwei Sieger: Der FC Augsburg gewann dabei sein allererstes Bundesliga-Heimspiel gegen zur Abwechslung mal indisponierte Wolfsburger mit 2:0. Und Nürnberg wunderte sich selbst, wie gut sich Siege anfühlen, als das 1:0 gegen die weinroten Teufel aus Kaiserslautern in trockenen Tüchern war. Hoffenheim bleibt Hoffenheim. Stani ist nicht nach singen und lachen zumute. Mal gucken, wie lange es noch dauert, bis er die Brocken beim Traditionsverein von 1899 hinwirft.

Der HSV marschiert mit seinem kloppähnlichen Trainer dagegen weiter. In Hannover gab es ein 1:1 (gefühlt 1:3). Und Hertha holte sich kurz vor knapp noch einen Punkt beim 3:3 gegen Eren Derdiyok. Berlin hatte 2:0 geführt und der Leverkusener Schweizer mit türkischen Wurzeln hatte mit seinem Hattrick (nicht lupenrein) das Spiel auf den Kopf gestellt. Jeder beklagte hernach den Verlust von zwei Punkten. Macht vier. Beide gewannen einen Zähler, macht zusammen wieviel? Klares Sechspunktespiel!

Heute remisieren dann auch noch Werder und Stuttgart, während Mainz zum Abschluss des Spieltages die Bayern mit einer 1:0-Klatsche nach Hause schickt.

Philosophen der Journaille XXVII

"Bundesliga-Schiedsrichter Babak Rafati hat nicht aus privaten Gründen*, sondern aufgrund von Depressionen versucht, sich das Leben zu nehmen."

(aus dem 11Freunde-Newsletter vom 25.November 2011)

* Seit wann sind seelische Erkrankungen eigentlich öffentlich? Und: Gibt es etwas Privateres als den Zustand des eigenen Körpers und/oder der Seele. Und II: Geht's eigentlich noch, liebe Kollegen?

Samstag, 26. November 2011

Feuerwehr in Grün

Gemeinhin ist ein Feuerwehreinsatz unter anderem maßgeblich daran zu erkennen, dass die Signalfarbe Rot eine nicht untergeordnete Rolle spielt. Am Samstag trug die Feuerwehr (Motto: Retten, schützen, bergen) grün.

Immer doof, 1080 Kilometer
zu fahren und ohne
Punkte wieder nach
Hause zu müssen.

(Handy-Fotto:
Thomas Ottensmann)
Zur Verwunderung der recht wenigen, exakt 5437 Zuschauer (Revierderby Dortmund - Schalke, Weihnachtsmarkt, nasskalte Witterung) im Stadion an der Hammer Straße brauchten die Preußen zarte 24 Sekunden um gegen den Aufstiegsaspiranten aus dem 540 Kilometer entfernten Heidenheim in Führung zu gehen. Um das Spiel dann mit einem überraschend offensiven 4-4-2 zu dominieren.

Preußen-Coach Marc Fascher, der ob der angespannten Personallage im SCP-Lazarett noch auf der freitäglichen Pressekonferenz damit geliebäugelt hatte, noch vor dem Kick gegen Heidfenheim "in den Winterurlaub zu gehen",  übertölpelte mit dieser ungewohnt offensiven Ausrichtung des Aufsteigers auch den Gästetrainer Frank Schmidt, der offenbar von gewohnt tief stehenden Preußen ausgegangen war. Doch der SCP machte vor allem in der bärenstarken ersten Viertelstunde mächtig Dampf.

Dabei taten sich vor allem Björn Kluft, der Kreativkopf im Mittelfeld, und Patrick Huckle, die "Lok auf zwei Beinen", auf der linken Abwehrseite hervor. Doch damit nicht genug: Aus einer vor allem vor dem Wechsel starken SCP-Elf verdiente sich Patrick Kirsch als umsichtiger Abwehrchef die Bestnote ebenso wie Jens Truckenbrod, dessen Spiel als 6er selten spektakulär ist, dafür aber zumeist höchst effektiv. Vgl. auch Sami Khedira.

Fehlt da nicht einer? Na klar: Der beste Torschütze des SCP, Radovan Vujanovic, in der Vergangenheit oftmals dafür gescholten, dass er vor dem Tor nicht abgezockt genug agiert, machte seinen ersten Doppelpack (1., 61.) im Adler-Dress und führt nun das interne Ranking - fast hätten wir "Torjägerliste"gesagt - an. Mit drei Treffern. Hätten sogar vier sein müssen. Denn der Hattrick (nicht lupenrein) war greifbar. Mit links.

Noch in der ersten Halbzeit, war Vujanovic (32.) den berühmten Tick früher am Ball als Heidenheims Keeper Frank Lehmann ("Neue Vahr Süd"), um dann - acht Meter halblinks vor dem Kasten - mit seinem linken Fuß zu patzen. Der Preuße versuchte recht verzagt mit seinem schwachen Fuß einzuschieben, aber ein FC-Bein konnte den zu schwach geschossenen Kullerball leicht und locker klären. Man muss wissen, dass Vujanovic sein linkes Bein ja leider nur aus statischen Gründen sein eigen nennt. Manche Rückgabe ist schärfer getreten als dieser Versuch der Preußenspitze. 

Den Gästen, die ihren Torjäger Nico Frommer verletzt zu Hause lassen mussten und mit Marc Schnatterer ihren anderen Topstürmer (vier Tore in fünf Spielen) nach überstandenem Mittelfußbruch erst in der letzten halben Stunde brachten, blieb in diesem Auswärtsspiel trotz des späten Anschlusstreffers durch Jabiri (82.) nur die Erkenntnis, dass man in der 3. Liga manchmal eben über 1000 Kilometer reisen muss - und trotzdem mit leeren Händen wieder daheim ankommt. Heidenheim blieb kaum Luft zum Atmen, weil der SCP ständig sein Heil in der Offensive suchte und den FC lange in der eigenen Hälfte beschäftigte.

Die Zuschauer goutierten den endlich mal wieder sehr couragierten Auftritt der Preußen zum Teil mit Standing Ovations. Ohne Aufforderung von den Stehrängen, wo die beinharten Fans das ohnehin, nun ja, ständig tun. "Angriff ist die beste Verteidigung" mag zwar eine Binse sein, die am Samstag im Preußenstadion aber zur flugs zur banalen Wahrheit mutierte. Denn die lag definitiv auf dem Platz. Und das ist - wie der interessierte Fußballfreund spätestens seit Adi Preißler weiß - bekanntlich maßgeblich.

Trainerstimmen

Marc Fascher (SC Preußen Münster) "Das tut richtig gut heute. Es geht eben nichts über Siege. Ich habe der Mannschaft gesagt, dass wir einfach mal von Beginn an so auftreten wollen, wie so oft, wenn wir in Unterzahl spielen mussten. Wo die Mannschaft sich mächtig reinkniete und mit Leidenschaft und Verve die Kohlen aus dem Feuer holte. Das hat prima geklappt. Wir haben gut gegen den Ball gearbeitet und verdient gewonnen."

Frank Schmidt (1.FC Heidenheim) "Das hat es im deutschen Profifußball wohl auch noch nicht gegeben, dass man gerade auf dem Platz steht und nach 24 Sekunden schon 0:1 zurückliegt. Das hat uns richtig weh getan. Davon haben wir uns nicht richtig wieder erholt. Wir kamen dann nach einer Viertelstunde etwas besser ins Spiel aber die Preußen haben das geschickt gemacht, indem sie den Druck hoch gehalten haben. Damit hatten wir nicht gerechnet. Glückwunsch an die Preußen, der Sieg war verdient."

Aufstellung SCP
Masuch - Kirsch, Duah, Huckle, Kühne - Loose (90. Riemer), Heise (87. Bourgault), Halet, Truckenbrod - Vujanovic, Kluft (62. Daghfous).

Erschienen am 26. November 2011 um 15.48 Uhr, produziert von: Thomas Ottensmann (Text und Fotos), exklusiv für WN.de

My first Kodak



So. Videos schneiden ist auch kein Voodoo.






Freitag, 25. November 2011

Schluss mit lustig

So. Schluss mit lustig. Am 14. Spieltag der Fußball-Bundesliga werden andere Saiten aufgezogen. Nix mehr mit Kuschelliga und so. Und damit das auch direkt klar wird, haben die Terminplaner des Privat-Bezahlfernsehens, das mit S anfängt und mit ky aufhört, einfach mal sofort ein Hochrisikospiel am Freitagabend angesetzt. Was ja auch aus ökologischen Gründen Sinn macht. Es kann halt auch bei natürlichem Licht weitergespielt werden, wenn mal das Flutlicht ausfällt. Was viele nicht wissen: Pyrotechnik kostet den Verein während des Spiels ja keinen Cent.

In den letzten Jahren musste aber eigentlich kaum noch jemand auf den Rängen wirklich Angst haben, wenn Köln gegen Gladbach spielt. Außer Köln. Aber das ist eine olle Kamelle, was zu Köln ja ganz gut passt. Gegen keinen anderen Bundesligisten hat der Eff-Ceh eine schlechtere Bilanz. Habe ich Bilanz gesagt? Selbst das Wort erscheint zu hoch gegriffen. Es ist, gelinde gesagt eine mittelprächtige Katastrophe. Aber wenigstens ist es ein vorhersehbares, weil bekanntes Desaster. Und in der Stadt mit der großen Kirche sind sie schon mit kleinen Dingen zufrieden. Dass zum Beispiel Peter Wynhoff und Kalle Pflipsen nicht mehr spielen. Der Eff-Ceh hätte in den 90ern wohl auch gegen das Duo spielen können und "Hochhaus vergeigt" (Toni Polster) - und selbst wenn man noch Uwe Kamps in den Kasten gestellt hätte, wäre das nur ein großes Hallo für die Kölner Balljungen gewesen, die den überzeugten Strähnchenträger und Limahl-Lookalike hätten warmhalten müssen.

Apropos warmhalten. Die Rivalität der beiden Klubs braucht kein Stövchen. Traditionell gönnen sich die Fans beider Lager nicht den Dreck unter den Stollenschuhen. Auch wenn sie immer inständig hoffen, dass der Rivale bitteschön doch die Liga halten möge. Gladbach, weil sonst sichere sechs Punkte fehlen. Und Köln, weil... Tja, weil... Hm. Derby halt. Im letzten Jahr gewannen die Fohlen in Köln 4:0 und in Gladbach 5:1. Spricht also nix für Poldi, aber alles für Reus. Die wahre Borussia kann mit einem Auswärtssieg, Auswärtssieg! für knapp 19 Stunden wieder Tabellenführer werden. Am  14. Spieltag. Was für ein Ansporn! Gladbach hat auswärts von 46 Spielen in Köln 31 Mal nicht verloren und 22 Mal direkt gewonnen, zu Hause im Übrigen 36 von 49 Partien nicht verloren (26 Mal gewonnen). Gesamtstatistik aus Borussia-Sicht: 48 Siege, 19 Unentschieden, 28 Niederlagen. Klare Sache: 1.FC Köln - VfL 1900 Borussia Mönchengladbach 2:0

Ein Hochrisikospiel kommt selten allein. Am Samstag ab 15.30 Uhr gehen dann die Blicke in das Westfalenstadion, das längst wie eine Versicherungsgruppe heißt und ein Park ist. Revierderby in der Oper an der B1. Der Deutsche Meister (nur der BVB!) empfängt den Deutschen Pokalsieger (nur der S04!). Beide bärenstark, beide amtierend, wobei die Frage eigentlich erlaubt sei, was es da eigentlich zu
Der Signal-Iduna-Park.
Harmonie in Reinkultur.

Zuschauer und Stadion
sind beide immer voll.
(Handy-Fotto: Hacky Wimmer)
amtieren gibt. Zweimal die Woche mit den Stollenschuhen raus auf's gepflegte Grün, bisschen rumdaddeln und zwischendurch mal ne Autogrammstunde im Baumarkt oder Kindergarten. Abba egal. Wo war ich? Ach so. Dortmund gegen Schalke! Was für ein Knaller! Spannung, Nervenkitzel, Brisanz. Beide trennt ein Punkt, beide sind nur zwei, drei Zähler von der Tabellenspitze entfernt. Mehr muss man gar nicht sagen. Nach verletzten Stammspielern steht es übrigens schon vor dem Anpfiff 2:2. Dortmund ohne Bender und Subotic, Schalke ohne Farfan und Höwedes. BV Borussia Dortmund 09 - FC Schalke 04 2:2

Endlich wieder ein Nordderby! HSV gegen HSV. Hamma. Klare Sache für das Topspiel am Samstagabend. Die Jungs in der Sternenwarte an der Isar brauchten dafür nur einen Würfel. Und wo kämen wir denn da hin, gäbe es in dieser knallharten Knüppelliga auch nur einen einzigen solchen Spieltag ohne ein Nordderby, das ja - wer wüsste es nicht - die Mutter aller Derbys ist. Von wegen England. Hamburg gegen Hannover. Das ist es! Das prickelt! Das fetzt! Der große HSV hat sich mit seinem kloppähnlichen Trainer ins untere Tabellenmittelfeld geackert. Der kleine Hannoversche Sportverein von 1896 ist nach einer Ogottogott-Saison mit Fast-Abstieg (2010) und einer Hurra-Saison mit Fast-Champions-League-Teilnahme (2011) da angekommen, wo man die Roten, die lustigerweise schwarz-weiß-grün als Vereinsfarben nennen, unter normalen Umständen verorten würde. Aber was ist schon normal in dieser knallharten Knüppelliga mit Derbys am laufenden Band? Eben. HSV - HSV 0:4

Sonst noch? Der Derby-Check:
Nürnberg - Kaiserslautern. Derby-Faktor 0,0. Ergebnis 0:0
Hoffenheim - Freiburg. Derby-Faktor 0,1. Ergebnis 0:1
Augsburg - Wolfsburg. Derby-Faktor -1,0. Ergebnis 1:0
Berlin - Leverkusen. Derby-Faktor 0,2. Ergebnis 0:2

Die Sonntagsfrage beschäftigt sich mit der kniffligen Problemstellung, wie der Spannungsbogen nach einem handelsüblichen Samstababend noch aufrecht erhalten werden kann. Zumal dann, wenn er mit einem Nordderby endete. Die Antwort ist einfach und sie kommt - was Wunder - aus einem auch spätabends immer noch hell erleuchteten Büro in der Sternwarte in München. Die Spielansetzungen am letzten Sonntag im November sind mit ruhiger Hand gewählt. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so wirkt.

Kein Derby, kaum Rivalität und wo liegt eigentlich Brisanz? Wenn Werder Bremen kickt, fallen immer viele Tore. So oder so.  Auch sonntags. Jetzt kommt um 15.30 Uhr der VfB Stuttgart ins Weserstadion, das ja schon lange wie der Fluss heißt, der sich um die Arena schlängelt - und das Spiel wirkt so, als würden - ganz im Gegensatz zur letzten Saison - Europacup-Plätze ausgespielt. Würden? Den Konjunktiv können wir auch streichen. Fünfter gegen Sechster mit drei (Werder) und fünf (VfB) Punkten Rückstand auf Platz 2. Beide lagen schon weiter vorn und haben sich zuletzt etwas, nun ja, eintüten lassen. Merkte man Thomas 'Botox' Schaaf nicht an, er sieht nach einem 0:5 genauso aus, wie nach einem 5:0. Bruno 'Beau' Labbadia schon. Die Frisur ist nach Niederlagen immer etwas verrutscht. Was das für Samstag, 15.30 Uhr bedeutet? Keine Ahnung, der Frisör hat um die Zeit in Bremen längst zu. SV Werder Bremen - VfB Stuttgart 3:3

Mainz - Bayern. Kein Derby, bei aller Liebe. Mainz gewann früher mal auch mal ganz gerne gegen Bayern. Im alten Stadion, das immer so hieß, wie die kleine Straße mit dem unglücklichen Namen, an der es lag. Als der Karnevalsklub die Liga aufmischte war das aber auch noch einfacher. Mit Holtby (jetzt: Schalke 04), mit Fuchs (jetzt: Schalke 04), mit Schürrle (jetzt: Bayer Leverkusen). Und die anderen? Die Bayern verlieren ungern. Noch ungerner zweimal hintereinander. Und wenn man schon in der Champions League nicht gefordert wird, dann kann man in der Bundesliga so richtig schön Gas geben. Apropos Kräfteverschleiß: Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not. Der SSC Neapel als Aufbaugegner? Das müssen andere erstmal schaffen (vgl. auch den Deutschen Meister, nur der BVB!).
1. FSV Mainz 05 - FC Bayern München 1:3

Donnerstag, 24. November 2011

...am Ende zählen Taten!

In der Küche auf dem Tisch das Kartoffelschälmesser
deutet auf nen starken Kartoffelesser
Das Handtuch am Boden
Einer hat's geworfen, liegt rum
Die Mikrowelle ist ruhig
Der Kühlschrank brummt
Der Wasserhahn tropft
Die Herduhr summt
ansonsten: Alles Essig.

Sei nicht sauer mein Schatz, dass ich zuerst gegangen bin
ich wollt nicht länger warten
Sei nicht sauer mein Schatz, dass ich schneller war
am Ende zählen Taten, am Ende zählen Taten.

Das Schlafzimmerfenster steht auf Kipp
Der Wind weht die Gardinen raus und ich weh mit, über alle Berge
Die Schuhe in der Diele haben nix mehr zu erzählen
mit nassen Füssen brauchen die sich nicht mehr quälen
ansonsten: Alles Essig.

Sei nicht sauer mein Schatz, dass ich zuerst gegangen bin
ich wollt nicht länger warten
Sei nicht sauer mein Schatz, dass ich schneller war
am Ende zählen Taten, am Ende zählen Taten

Gleiche Punktzahl auf beiden Seiten
Rien Ne Va Plus, Schluss mit Streiten
Alles aus jedem Winkel beleuchtet
Kann ja sein mein Schatz, dass du ein Genie bist
und wir sehn uns nie wieder
Kann ja sein dass du eine Symphonie bist
ich steh auf einfache Lieder

(Text Bernie Conrads/Stefan Stoppok / Musik: Stefan Stoppok, vom Album: Bla-Bla-Nonstop)


Wat, ihr kennt den Stoppok nich?! So geht das abba nich. Hier mal flott schlau machen.

Mittwoch, 23. November 2011

Dreifaltigkeit

Sag du's mir.
(Handy-Fotto: Thomas Ottensmann)
Es gibt sie ja, diese Fragen, die im Leben immer wieder deinen Weg kreuzen. Sie sind wie der kleine Hunger: Sie kommen unangemeldet und zum falschen Zeitpunkt - und zwar immer. Eine dieser Fragen bezieht sich auf die Schule und die Uni, was bei mir - zugegeben - drei, vier Tage her ist, können sogar sieben oder acht sein. Ich weiß, ich weiß, man lernte nicht für die Schule, vielmehr für's Leben. Angeblich. Aber im Leben 2.0 wirkt der Spruch antiquiert. Die Frage sei erlaubt: Und? Hat's was gebracht? Viel Lärm um nichts?


Definiere 'Lärm'.
(Handy Fotto: Thomas Ottensmann)


Womit wir bei dem Übel unserer Zeit wären. Die moderne Pest. LÄRM! Klingeltöne, privateste Privatgespräche in aller Öffentlichkeit, dazu Kaufhausmusik zum Ertauben, Laubbläser und mediales Grundrauschen im Privatfernsehen (was für ein altmodisches Wort! Wirkt wie aus den Siebzigern und ist doch gerade mal 25 geworden) rund um die Uhr. Stellt sich die Frage, wo der Notausgang ist. Oder Mamas Litte Helper?


Warum nicht?
(Handy-Fotto: Thomas Ottensmann)


Komisch, dass Die Ärzte die Lösung schon vor ein paar Jahren wussten. Aber Die Beste Band der Welt wäre ja nicht Die Beste Band der Welt, wenn sie ihrer Zeit nicht ständig voraus wären. Leben 3.0? Für Die Ärzte Alltag! Sie wissen ja - nur so zum Beispiel - schon heute, dass Separierung der eigentliche Schlüssel ist und Integratives Miteinander nicht nur ein Segen. Denn endlich ist Mann ganz unter sich. Und Frau - gottseidank - auch. Kurz vor dem Fest der Liebe geben Die Ärzte in der Dortmunder Westfalenhalle zwei Konzerte, in denen Pärchen unerwünscht, ach was, VERBOTEN sind. Zumindest keine Hetero-Pärchen. Eins für Jungs*, eins für Mädchen. Jungejunge, was für eine teuflisch gute Idee. 


* Und wer hat schon Karten? Richtig. 

Dienstag, 22. November 2011

Fang mir jetzt bloß nicht an zu weinen...

Und endlich mal wieder eine neue Folge aus der Reihe "Das NiN-Bilderrätsel", heute mit der Frage, welcher Popsong hier eigentlich bildend dargestellt wird:
(Erstaunlich scharfes Handy-Fotto aus dem Badezimmer:
Thomas Ottensmann)

Philosophen in Kutte IX

"Boah, wat können wir froh sein, dat wir nicht aufgestiegen sind. Da hätten wir doch nur den Arsch vollgekricht."
Handy-Fotto:
Thomas Ottensmann
(Gehört auf der Osttribüne im Bochumer Ruhrstadion, Block O bei der 0:1-Heimniederlage des VfL Bochum gegen Energie Cottbus am 21.11.2011)

Montag, 21. November 2011

Vormacht in der Zange

Der FC Bayern München wird Meister. In der Saison 2011/2012 so wie in fast jedem Jahr. Außer den ungeraden, genauer: den ungeraden Jahren nach Weltmeisterschaften. Das weiß jedes Kind und auch viele Erwachsene, sagen wir mal Fußball-Trainer. In der ebenso traditionellen wie überflüssigen Umfrage der Agenturen und Auguren vor der Saison haben wieder 23 von 18 Bundesliga-Trainern auf den Rekordmeister als Schalenträger getippt. Gähn. Auch die Experten von Blog7 und mithin die Auguren unter den Agenturen schlossen sich diesem Tipp damals übel gelaunt an. Doch Blog7 wäre ja nicht Blog7, wenn er, nun ja, nicht lernfähig wäre. 

Denn nach dem 13. Spieltag der Fußball-Bundesliga mit dieser wunderbaren Heimniederlage der Bayern (Ergebnis-Krise in München!) gegen den Deutschen Meister (nur der BVB!) und dem großartigen 5:0-Heimsieg der neuen Fohlen ("Wir steigen auf, wir steigen ab und zwischendurch Europacup!") aus Mönchengladbach gegen den bis dato Tabellendritten Werder Bremen haben die vereinigten Borussen aus Gladbach und Dortmund die rote Vormacht der schwarzen Bestie (El Marca) in die Zange genommen. Beide Borussias gewannen bislang als Einzige in München, beide siegten hoch, beide souverän und beide zu Null und beide haben Manuel Neuer gemeinsam 40 Prozent seiner Gegentore eingeschenkt. 

Deshalb - und zusammen vielleicht noch mit dem erstaunlich hohen 4:0 des überflüssigen FC Schalke 04 gegen einen überforderten 1. FC Nürnberg - aus aktuellem Anlass nun die aktuelle Prognose des aktuellsten Falschen Einwurfs in Sachen Titelträger 2012: Meister wird der FC Bayern München.

Sonst noch:
Kloppähnliche Trainer können doch gewinnen:
HSV 2 Hoffenheim 0.
Ballack auf Abschiedstour im Pillen-Dress:
Lautern 0 Leverkusen 2
VW schaltet in den 6.Gang:
Wolfsburg 4 Hannover 1
Breisgau goes Betze: Spielen, bis der Ausgleich fällt:
Freiburg 2 Hertha 2
Schwabenland, 7 Grad: Bruno Labbadias Frisur sitzt:
Stuttgart 2 Augsburg 1

Das Spiel zwischen Köln und Mainz wurde kurz vor dem Anpfiff aus einem "wichtigen Grund" abgesagt, wie auf der Anzeigetafel im Müngersdorfer Stadion, das längst wie eine Steckdose heißt, zu lesen war. Mit Recht. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Außer vielleicht dies: Den besten Kommentar zur Ursache für den Spielausfall lieferte neben Arnd Zeigler in seiner wirklich mal wieder von vorne bis hinten grandiosen WDR-Sendung "Wunderbare Welt des Fußballs" vom 20. November 2011 sicher Ansgar Griebel von den Westfälischen Nachrichten in Münster. Und er hat in allen Punkten Recht: Babak Rafati lebt - das war die beste und wichtigste Nachricht an diesem Fußball-Wochenende. Punkt.

Samstag, 19. November 2011

Schöne deutsche Wörter CDXXXVII

Heute: "stibitzen"
Irgendwie ist es ja mit schönen Wörtern ganz ähnlich wie mit anderen schönen Dingen: Man benutzt sie so selten. Oder tut sie nicht. Obwohl sie so schön sind - oder vielleicht gerade deswegen? Man weiß es nicht. Dieses kleine Verb ist laut Herkunftswörterbuch des Duden* zwar seit dem 18. Jahrhundert im deutschen Sprachgebrauch bezeugt, seine Herkunft verliert sich allerdings im Dunst der Gechichte, wie ein dicker deutscher Ex-Kanzler sagen würde.

Aber das Herkunftswörterbuch trüge ja seinen Namen völlig zu Unrecht, ja, es verfehlte sogar gänzlich seinen Sinn und Zweck, gäbe es da nicht jenen launigen Hinweis, "stibitzen", also dieses umgangssprachliche Wörtchen für "auf listige Weise entwenden, an sich bringen", käme "wohl aus der Studentensprache." Die weitere Herkunft? Ungeklärt. Nun ja. Aber tut Herkunft eigentlich Wesentliches zur Sache?


Bild gefunden auf
und verlinkt mit:
upload.wikimedia.org
Viele meiner Generation - das sind diese Menschen, die auch noch Wörter wie "astrein" benutzen - würden übrigens bezeugen, der Ursprung und mithin die Herkunft des Wortes sei sehr wohl geklärt. Stibitzen, das am Satzanfang noch viel besser aussieht, weil groß geschrieben, käme doch - definitiv und mit an Wahrscheinlichkeit grenzender Sicherheit - aus einem Film. Und dass sie dieses so sehr nach Jiddisch klingende Wörtchen zuletzt wahrnahmen, als sie im Kino saßen. Da stand aber die Mauer noch. Und ich war 25 Jahre alt. Seufz.

Zudem ist es auch gar nicht im US-amerikanischen Original zu hören, sondern lediglich der deutschen Synchronisation zu verdanken, dass "stibitzen" in "Harry & Sally" in einer im Übrigen völlig unverständlichen Schüttelreim-Variante verwendet wird. Das ist diese Szene, in der Harry beim Einkaufsbummel mit Sally mit aufgestelltem Bein und verstellter Kopfstimme in einem Kaufhaus eine Karaoke-Anlage ausprobiert und sich dabei über Lautsprecher schön zum Affen macht - nur um postwendend und erstmals nach langer Zeit seine Ex-Frau mit ihrem neuen Typen zu treffen.


Aber was wurde da noch mal stibitzt? Richtig, eine Pilzpizza. Seitdem ist dieses niedliche Verb aber wieder verschollen. Im Nebel der (Film-) Gechichte. Höchste Zeit also, es einfach mal wieder hervorzukramen, mit dem Staubwedel drüberzufahren und munter wieder zu benutzen. Sonst ist es ja mit diesem schönen deutschen Wort so wie mit den anderen schönen Dingen, die unbeachtet, abgeliebt und ungenutzt in der Ecke liegen: Sie geraten in Vergessenheit. Und das kann ja keiner wollen. Ich zumindest nicht.

* Das sind diese Bücher, in denen Sätze vorkommen wie: "Das Deutsche ist bekanntlich eine flektierende Sprache." Wenn man das blasiert Klingende aber mal ausblendet und ohnehin mehr als ein Fremdwörterbuch besitzt, dann ist auch dieser 14-tägig erscheinende Newsletter aus der Duden-Redaktion eine feine Sache - und wahrlich lesenswert. Zumal er dem geneigten Leser recht wenig Zeit stibitzt und ihm zudem noch etwas, ja wirklich, Bildung zuteil werden lässt.

Iro mit Seitenscheitel

Am 17. Spieltag der Fußball-Bundesliga raufen sich die Macher des Bezahlfernsehens die wenigen grauen Haare. Es geht um - Überraschung! - das Topspiel am Samstagabend. Schwierige Kiste in dieser Woche. Weil: Der 17. Spieltag in der Fußball-Bundesliga bietet nur dürftige Hausmannskost, wie man so gerne sagt und so ungern hört. Aber Schmalhans ist Küchenmeister in diesem Hungerwinter. Da beißt die Maus keinen Faden ab! Keine Leckerbissen, keine Schmankerl. Noch nicht mal Gnocchi. Nur Graupensuppe. Die Liga ist nach dieser wunderbaren Länderspielpause mit den erregenden Unentschieden in wilden Osten und phänomenalen Siegen gegen Erz-Rivalen aus dem Nachbarland nun wieder mittig im büroteppichgrauen Alltag angekommen. Ein Wochenende wie ein stierer Blick.

Machen wir es kurz. Am Freitagabend treffen sich der 1.FC Kaiserslautern und der TSV Bayer 04 Leverkusen zum müden Flutlichtspiel auf dem Betzenberg, der längst wie zwei männliche Vornamen mit fünf Buchstaben heißt. In den Siebziger Jahren gab es ja nicht nur diese "Ich bin Energiesparer"-Aufkleber mit schwarz-rot-goldener Umrandung. Sondern auch die Litfaß-Säulen-Werbung eines Raffinerie-Zubehör-Lieferanten mit dem wunderbaren Slogan "Ich bin zwei Öltanks." Nun also der Betze. Und der Berg ruft: "Ich bin zwei Vornamen." Pause. So, ich habe die Tabletten abgesetzt. Wo waren wir? Ach so. Müder Kick, trübes Ergebnis: Lautern 0, Leverkusen 0

Das Spannendste an der Begegnung FC Schalke 04 gegen den 1.FC Nürnberg am Samstag um 15.30 Uhr ist das Treffen der befreundeten Fanclubs vor dem Schalker Stadion, das längst wie ein verblichener Fernsehsender heißt und in Wirklichkeit - wer wüsste es nicht - eine etwas größere Turnhalle mit Naturgrasboden ist. Bei diesen Treffen werden dann zünftig und wortreich Badges, Sticker und Stricklieseln (Schals!) ausgetauscht und von den guten alten Zeiten (Max Merkel!, der Meisterabsteiger!, Charlie Neumann!, die Vier-Minuten-Meisterschaft!) geplaudert. Das waren aber auch noch Tage! Beide Vereine dominierten den deutschen Fußball nach Belieben und galten als auf Jahre hinaus unschlagbar. Wie lange das her ist, sieht man an den Dokumenten. Die Bilder konnten schon laufen, aber die Zeitlupe war noch ein Vergrößerungsglas für die Taschenuhr. Vor 50, 60, 70 Jahren waren Nürnberg und Schalke Serienmeister. Heute, nun ja, sind sie das nicht mehr. Nur soviel: Achtet mal auf die Trikots und zählt die goldenen Sterne über dem Wappen. So. Tschulligung, bisschen verplaudert. Heute also sind die Clubberer und die Knappen im modernen Fußball angekommen. Was heißt das aber für dieses verkappte Testspiel um Punkte am Samstag? Sagt ihr es mir. Schalke 0, Nürnberg 0

Freiburg gegen Hertha BSC ist so prickelnd wie ein Schoppen zwei Tage offen stehender alkoholfreier Kellergeister. Apropos Kellergeister: Freiburg kämpft gegen die Abstiegsgespenster, die sie riefen. Hertha pendelt zwischen Hauptstadt-Arroganz und Aufsteiger-Devotion, Freiburg zwischen Erfolg (Cissé trifft) und Misserfolg (Cissé schmollt). SCF 0, Hertha 0.

Köln gegen Mainz, am Elften (Monat) im Elften (Jahr des Jahrtausends). Lustig. Die einzige Frage, die sich bei dieser ersten großen Narren-Party in der Stadt mit der großen Kirche und dem abwanderungslustigen Prinzen stellt: Kann der Schiri bitte endlich abpfeifen, damit ich wieder aufs Sofa darf? Ein Spiel, wie es singt und lacht. Und wo Berge rufen, da können Spiele auch sprechen. Hört, hört: Wir sind nur zwei Karnevalsvereine. Und die Zuschauer antworten: Aufhören, aufhören. Sehr gern. Köln 0, Mainz 0

So das wars.






















Wie, was vergessen? Echt? Hm. Kam mir vor wie ne komplette Englische Woche. Nun gut. Wolfsburg gegen Hannover 96. Nun schlecht. Fällt mir nix zu ein. Außer vielleicht: Zwei Traditionsvereine! Und höchstens: Endlich mal wieder ein Nord-Derby! Spannend. Wolfsburg 0, Hannover 0

In Gladbach munkeln sie ja, dass sie den Marco Reus vor Länderspielen immer eigens nach dem Training auf das Stadiondach des Borussia-Parks beordern, mit nem Rätselheft. 90 Minuten Sudoku und Schwedenrätsel. Vorher muss er dann immer seine verschwitzten Sachen ausziehen. Wenn er dann in die Kabine kommt, sind die Kollegen längst weg und es gibt kein heißes Wasser mehr. Bei der Nationalmannschaft wird er dann immer wieder mühsam aufgepäppelt, bekommt heiße Milch mit Honig und verbringt die Zeit mit der Playstation und dem iPod im überheizten Hotelzimmer, wenn die anderen kicken. Doch der Wahnsinn hat Methode: So werden nicht noch mehr Vereine auf das schmale Hemd aufmerksam. Und so muss der Iro mit Seitenscheitel nicht weitere Heerscharen von Beratern und andere Schmierlappen abwimmeln. Pferde haben wenigstens Schwänze, mit denen sie höchst wirksam die Fliegen abwimmeln. Und der Marco? Der nicht. Und der schießt auch nicht jeden Samstag zwei Tore. Wäre ja noch schöner. Der Pizarro übigens auch nicht. Duell des Dritten gegen den Vierten? Gähn. Gladbach 0 Werder 0

Zwei Sonntagsspiele, im Rahmen der Chronistenpflicht noch kurz gelistet:
VfB Stuttgart - FC Augsburg (Schwaben-Derby! Hammer!) 0:0
Hamburger SV - TSG 1899 Hoffenheim (Stani ist da immer noch Trainer) 0:0

Wie mir soeben aus der Redaktion mitgeteilt wird, haben sich die entscheidenden Entscheider in der Sky-Zentrale bei München entschieden. Grün-Weißer Rauch sei aufgestiegen, das melden übereinstimmend die internationalen Korrespondenten. CNN wittert eine Sensation, Al Jazira Morgenluft. n-TV sendet Brückensprengungen und wie ein kleiner, weißer Hund erbarmungslos von bis an die verspiegelten Sonnenbrillen bewaffneten Motorradpolizisten gejagt wird. Da kommt das Telex mit der Bestätigung:

"Das Topspiel am Samstagabend  tragen am 17. Spieltag der Fußball-Bundesliga dem Vernehmen aus der Sky-Zentrale in München nach diese Mannschaften aus: Ein Verein, der sich in einigen diasporischen Enklaven Norditaliens einer gewissen verklemmten Beliebtheit erfreut und ein Vielvölker-Folklore-Treff aus dem Kohlenpott, der unter einer seltenen Farbstörung, einer sogenannten kollektiven Colorverirrung leidet. Nach übereinstimmenden Agenturmeldungen habe beide Clubs deshalb den Zuschlag bekommen, weil sie, Zitat "mehr Modefans haben als die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in Zeiten von fifa (c) Fussball Weltmeisterschaften (TM)." Zitat Ende. Bundesliga, ein Wintermärchen. 

Nach bestätigten Medienberichten soll es sich danach um das Punktspiel zwischen dem FC Bayern München und dem Deutschen Meister (nur der BVB!) handeln. Andere sprechen vom amtierenden Titelträger, der zur Isar reist, wo im Übrigen überhaupt kein Fußballplatz liegt, schon mal gar kein Stadion. In der Arena, die schon immer so hieß wie eine kommerzielle Vereinigung, die mit Verheißungen Geld macht. Und die heute mal so leuchtet und morgen mal so. So. Da kommt die Bestätigung: Das Topspiel am Samstagabend heißt FC Bayern München e.V. gegen BV Borussia Dortmund 09 KGaA. Und da sind noch die aktuellen Wettquoten: Bayern 0, BVB 0

Freitag, 18. November 2011

Auf der Schotterpiste der Blamage

Münster/Lennestadt - Die Sache ist klar. Borussia Mönchengladbach kann kommen. Der SCP ist auf wackligen Beinen den dritten Schritt auf dem Weg in die 1. DFB-Pokal-Hauptrunde gegangen. Die Preußen waren als Drittligist beim Achtligisten FC Lennestadt im Sauerland aber lange Zeit lediglich auf der Schotterpiste der Blamage unterwegs. Die Adlerträger siegten letztendlich zwar nicht gänzlich unverdient, aber um ein bis zwei Tore zu hoch mit 4:1 (1:1, 1:1). Der Re-Live-Ticker zum Spiel .

120. Minute Die Sache ist gegessen. Schlusspfiff, aus, Ende, Feierabend. 4:1 siegt der SCP mit großer Mühe in Südwestfalen. Die 2.500 Zuschauer verließen aber zu einem Großteil schon nach dem 3:1 das Stadion in Lennestadt. Für die Preußen heißt es nun: Borussia Mönchengladbach kann kommen. Naja, so gut wie. Ach so: Andere Gegner im Preußenstadion? Andere Wunsch-Lose für die 1. DFB-Pokal-Hauptrunde? Aber gern: Bitte per Wunsch-Mail an redaktion.online@wn.de

"Haste Scheiße am Schuh
haste Schuh am Schuh."

(Andreas Brehme)

Kleiner Mund ist schnell abgeputzt
108. Minute Julian Loose - in der 3. Liga wegen seiner roten Karte aus dem Spiel gegen Wacker Burghausen noch gesperrt, im Pokal aber spielberechtigt - legt nur knappe 100 Sekunden später zum 4:1 nach. Jetzt ist der Drops hier gelutscht. Ein Doppelschlag in gut 140 Sekunden entscheidet ein ganz enges Pokalspiel. Nein, ich habe nicht "typisch" gesagt. Und wenn, dann wäre es höchstens "tückisch" gewesen. Drei Euro ins Phrasenschwein.

106. Minute Kleiner Mund ist schnell abgeputzt. In Windeseile gar: Björn Kluft macht - wie weiland Güvenisik nach der Halbzeit - 60 Sekunden nach dem Seitenwechsel das 3:1 für den SCP. Spätes Glück also für die Preußen, die hier - nur zur Erinnerung - als Drittligist beim Achtligisten FC Lennestadt lange Zeit nur auf der Schotterpiste der Blamage unterwegs waren. Und die letzte Ausfahrt nicht fanden.

105. Minute So. Jetzt schnell die Seiten wechseln, den Mund abputzen und weiter gehts. Eine Viertelstunde trennt den SC Preußen Münster noch vom Einzug in die 4. Runde des Westfalenpokals. Oder vom Aus beim fünf Spielklassen tiefer kickenden Amateurligisten FC Lennestadt. Nur zur Erinnerung. Als Westfalenpokalsieger winkt die 1. Hauptrunde im DFB-Pokal und das Traumlos gegen, sagen wir mal Borussia Mönchengladbach. Nur zur Erinnerung.

Kunstvoll den Rasen umgepflügt

104. Minute Das Tor passt zum Spiel: Aus dem Gewusel trifft Radovan Vujanovic zum 2:1 für den SCP. Wir schreiben die 97. Minute. Noch 23 Minuten. Nach Adam Riese. Oder nach Marc Fascher, der mit der Digitaluhr sicherlich auch mitstoppt. Die Preußen jetzt wieder engagierter. Aber der FC Lennestadt ist noch nicht geschlagen. Im Gegenteil: Hier wird der Boden umgepflügt. Was nicht nur artistisch klingt, sondern auch so ist: Im Hensel-Stadion wird auf Kunstrasen gespielt.

95. Minute Der SCP steckt fest. In der ersten Hälfte der Verlängerung. Max Schulze-Niehues, der seit seinem Wechsel zurück von Fortuna Düsseldorf II erstmals das Tor der Drittliga-Profis hütet, musste bereits zweimal den Ball aus dem Netz holen. Wir erinnern uns: Es steht hier 1:1. Einmal war es es ein Tor, einmal nicht. Der Schiedsrichter erkannte den Lennestädter Führungstreffer, der schon über den Ticker gegangen war, nicht an. Auch Preußen traf zweimal: Güvenisik regulär, N'Diaye in der ersten Halbzeit lediglich aus dem Abseits. Es steht also weiter 1:1 und irgendwie auch auf des Messers Schneide.

Verlängerung ante portas

90. Minute Aus, aus, aus. Das Spiel ist aus! Hat aber keinen Sieger. Der SCP, der auch in der 3. Liga in 16 Spielen satte achtmal remisierte muss also in die Verlängerung. Der FC Lennestadt übrigens auch. Dabei waren die gar nicht so schlecht. Das hatten sich die Preußen wohl anders vorgestellt. Der FC Lennestadt aber sicher auch. Des einen Freud, des anderen Leid. Ist halt wie im richtigen Leben. Wie sagt Ailton: Sos Fusball.

88. Minute Zwei Minuten noch. Plus Nachspielzeit, so sagt man wohl im modernen Fußball. Apropos: Mit modernem Fußball hat das hier nicht allzu viel zu tun. Höchstens mit eigenen Gesetzen. Und mit dem Willen, der auch zumeist den Weg weist. Die Frage sei an dieser Stelle kurz erlaubt und sofort gestellt: Wer hat denn nun den größeren Willen - und wer findet diesen schmalen Weg, der die Verlängerung vermeiden lässt. Preußen macht in den letzten Minuten endlich mal wieder mehr Dampf. Doch es steht Spitz auf Knopf in diesem kleinen Stadion. Die Verlängerung steht vor dem Tor, ähem, der Tür.

Bastelmaterial nur widerwillig genommen

80. Minute Das Stadion tobt. Marc Fascher auch. Der FC Lennestadt hält ein 1:1 - und wäre in der 73. Minute sogar fast in Führung gegangen. Der vereinseigene, fleißig ratternde Preußen-Ticker vermeldete das 2:1 für den Bezirksligisten schon. Und nahm es dann zwei Minuten später wieder kommentarlos zurück. Gleichwohl: 1:1 nach 75 Minuten gegen den Drittligisten, das ist für den FC Lennestadt schon jetzt und ganz in echt - und völlig egal, wie es dann ausgeht - vor fast 2.500 Zuschauern wirklich das "Spiel des Jahres". Punkt. Der Drittligist aus Münster weiß nicht, wie ihm geschieht. Und Radovan Vujanovic auch nicht: Er hat sich gerade ebenfalls Bastelmaterial beim Schiedsrichter abgeholt. Und nahm den gelben Karton dann doch nur widerwillig.

70. Minute Nein, an dieser Stelle soll NICHT daran erinnert werden, dass der Tabellenführer der Sauerland-Bezirksliga in den ersten beiden Runden zunächst einen Westfalenligisten (6. Liga) und dann einen NRW-Ligisten (5. Liga) ausschaltete. Denn wer diese mathematische Reihe fortsetzt, bekommt es mit der Angst zu tun, zumindest, wenn er Preuße ist. Noch zwanzig Minuten. 8. Liga gegen 3. Liga 1:1.

65. Bei den Preußen wird gewechselt. Für Joe Vunguidica kommt Björn Kluft. Derweil macht Jürgen Duah da weiter, wo er gegen Bielefeld aufhörte: Er sieht die gelbe Karte. Die dritte in vier Tagen. Respekt.

FC Lennestadt schickt 1:1 per Schneckenpost

55. Minute Postwendend wäre übertrieben. Obwohl... Mit der Schneckenpost gibt der FC Lennestadt den Gegenzug in Auftrag. Acht Minuten nach der Führung der Preußen durch Güvenisik dann also der Ausgleich für den FC Lennestadt. Zugestellt durch Baumhoff, der den Ball nach einer Ecke aus drei (!) Metern über die Linie drückt. Der SCP konsterniert. Das Stadion euphorisiert. Deutlich über 2.000 Zuschauer verfolgen übrigens diese Pokal-Partie in Lennestadt im Kreis Olpe.

Vermisste Nummer 80 netzt nach 80 Sekunden ein

46. Minute Der Ball rollte kaum wieder, da lag er schon regunslos im Lennestädter Netz. Nix mehr mit "tapfer wehren" und "wacker kämpfen": Der SCP führt beim Bezirksligaspitzenreiter seit der 47. Minute mit 1:0. Sercan Güvenisik legte den Schalter im Sauerland um: Der SC Preußen geht also direkt nach dem Seitenwechsel in Südwestfalen durch die in den letzten Wochen schmerzlich im Sturm vermisste Nummer 80 in Führung. 80 Sekunden nachdem der Stürmer für Babacar N'Diaye eingewechselt worden war. Wie es nun weitergeht? Carsten Gockel, Sportvorstand des SCP, sagte gerade am Telefon, just in dem Moment als das 1:0 für die Preußen fiel: "Jetzt machen wir noch ein paar." Schaun mer mal.

45. Minute Huch, der FC Lennestadt, in Gestalt eines gewissen Gödde (42.) zwingt den fünf Klassen höher spielenden SC Preußen zu einer ersten ernsthaften Abwehraktion. Kühne und Kirsch (44.) klären gemeinschaftlich. Teamwork. Und dann, unvermeidlich: Halbzeit in Lennestadt. 0:0. Für den Achtligisten ein schöner Erfolg, für den SCP nicht. Und jetzt: Erstmal einen Pausentee.

Wo ist das Dampf-Ablassventil?

40. Minute Loose, Heise, N'Diaye, Truckenbrod - was sich wie eine Wiederholung anhört, ist die Bilanz der letzten zehn Minuten. Die Preußen machen Dampf, können ihn aber nicht ablassen. Zumindest nicht im Form eines Torjubels. Und der FC Lennestadt? Nun, man hört ja ebenso oft wie ungern, dass "die Amateure sich hier wacker schlagen" und dass der Achtligist sich "mehr als tapfer schlägt", vielleicht sogar "richtig teuer verkauft". Und hier, heute Abend im Hensel-Stadion? Stimmt das alles. Verkehrte Welt! Eigene Gesetze! Noch was: Der SCP braucht jetzt ein Tor. Das dem Spiel im Übrigen gut tun würde. Und den mitgereisten etwa 120 Preußen-Fans auch.

30. Minute Weiter geht es auf dem Kunstrasen im Sauerland, im Minutentakt - und zwar in eine einzige Richtung: Das Tor des FC Lennestadt im Belagerungszustand. Kühne, Heise, Loose - in dieser Reihenfolge prüft der SCP die Roten des FC. Bislang ohne Erfolg.

20. Minute Der SCP drückend überlegen, will hier früh für klare Verhältnisse sorgen. Babacar N'Diaye traf bereits für die in weiß spielenden Preußen, wurde aber wegen einer Abseitsstellung von Schiedsrichter Michael Sahm zurückgepfiffen.

15. Minute Die Preußen diktieren das Spiel in Lennestadt. Das Hensel-Stadion ist gut gefüllt. Aber auch der heimische Bezirksligist lässt sich nicht lumpen und hat sich schon einmal mit einem sehenswerten Distanzschuss ins Geschehen eingemischt. Die Anfangsphase war bislang mehr von hektischer Betriebsamkeit, als vom berühmt-berüchtigten Abtasten geprägt.

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Zwischen Biggesee und Atta-Höhle: Scheuer Blick ins ferne Lennestadt
Von Thomas Ottensmann,

Michael Kurzeja ist Trainer in Lennestadt. Und zwar sehr gern. Besonders natürlich in diesen Tagen, wenn das Spiel seines Lebens ansteht - wie die hiesige Presse jetzt überschwänglich schrieb. Hört sich übertrieben an, ist es aber wohl nicht. 

Heute Werdohl, morgen Erndtebrück, übermorgen Münster

Denn mit Preußen Münster kommt ein großer Name nach Südwestfalen und eine Mannschaft, die die Jungs des Bezirksligaspitzenreiters wohl nur aus der Sportschau kennen. Auf den Mittwochabend, wenn ab 19.30 Uhr unter Flutlicht das Spiel in der 3. Runde des Westfalenpokals angepfiffen wird und zu dem im Sauerland nach Vereinsschätzungen aus Lennestadt um die 1.500 Zuschauer erwartet werden, freuen sich aber auch die alten Haudegen, die Unentwegten, die Stamm-Zuschauer, die zum Teil schon seit Jahr und Tag zum FC gehen. 

Der 100.000-Mark-Sturm kommt!

Dann spielt es kaum eine Rolle, das hier ein Drittligist seine sportliche Visitenkarte abgibt, dann irllichtern immer noch die Schlagworte "Deutscher Vizemeister", "Gründungsmitglied der Bundesliga" und "100.000-Mark-Sturm" durch die Kleinstadt. Denn Preußen Münster ist ein großer Name. Immer noch.
80 Zuschauer, bei schlechtem Wetter weniger

1.500 Zuschauer wären übrigens das Zehnfache des normalen Zuschaueraufkommens auf dem Kunstrasenplatz in Lennestadt. 150 Zuschauer sind in der 8. Liga aber auch schon viel. Aber der FC ist ja derzeit auch Tabellenführer. Normal sind in der Bezirksliga - das ist im Übrigen die 4.Liga von unten gerechnet - 80 - 100 Zuschauer, bei schlechtem Wetter gerne auch mal deutlich weniger.

Was Wunder, dass keiner der recht jungen FC-Kicker bislang vor einer Kulisse von über 1000 Zuschauern gespielt hat. "Das wird wohl für alle Spieler der Höhepunkt der Karriere werden", sagt Michael Kurzeja, der Trainer der Lennestädter dem Internetportal derwesten.de, wohlwissend, dass seine Jungs in den ersten beiden Runden zunächst den zwei Klassen höher spielenden Westfalenligisten FSV Werdohl und in Runde 2 dann den drei Klassen höheren NRW-Ligisten TuS Erndtebrück aus dem Pokal warfen. Einfach so.
Karrierehöhepunkt für Mittzwanziger

Jetzt kommt der fünf Klassen höher spielende SC Preußen Münster, der im Pokal die in der Meisterschaft gesperrten Duah, Güvenisik und Loose einsetzen darf und eigentlich nicht schlagbar scheint. Träumen sie in Lennestadt schon vom nächsten Coup? Nicht wirklich, aber für Mittwochabend ist nach dem Pokalkick gegen die Preußen dann Party angesagt, so oder so.

Denn etwas zu feiern wird es beim FC Lennestadt auf jeden Fall geben. Völlig egal, wie das Spiel ausgeht. Denn es ist definitiv das bedeutendste Spiel der Vereinsgeschichte. Soviel steht für den neben dem Ex-Oberligisten RW Lennestadt, der bis in die Kreisliga abstürzte lange Zeit kleineren und erfolgloseren Fußballclub im Ort zwischen Biggesee und Atta-Höhle schon vor dem Anpfiff fest.
Schöner und schönerer 

Aus der Mannschaft des FC Lennestadt ist zu hören, dass eine Niederlage in Grenzen - sagen wir mal mit zwei bis drei Toren Unterschied - ein schöner Erfolg wäre. Inoffiziell wäre ein Sieg mit einem Tor Unterschied aber ein schönerer Erfolg. Die Feier ist ja ohnehin schon geplant. Und den Donnerstag hat sich ein Großteil der jungen Mannschaft schon mal freigenommen. Nur zur Sicherheit.

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Themenbundle mit Bilderstrecke, Voting und Video,
erschienen in: Westfälische Nachrichten Online vom 16.11.2011